Klick, klack, klick, klack
Auf zur vorletzten Etappe nach Le Puy! Es kribbelte immer unter den Füßen bei dem Gedanken, bald in Le Puy zu sein. Auch wenn’s noch so kribbelte – die beiden legten ein Tempo vor, das mir gar nicht so behagte. Es war eindeutig zu schnell. Na ja, und dann waren da noch die Klapperstöcke von Jens. Klick, klack, klick, klack usw. Es machte mich wahnsinnig und ging mir richtig auf den Nerv. Er kann ja nix dafür, aber dieses Geräusch raubt einem die Sinne und die Ruhe. Ich glaube, er hat’s mitbekommen, dass ich die Dinger hasse. Egal!
Sauwetter mit Spaß
Arschkalt war es heute, so ca. 2 Grad, und es sollte sich auch nicht bessern oder ändern. Im Gegenteil: Wir bekamen Schnee, Regen, Sturm und Hagelschauer. Unglaublich. Ich hatte wieder alles an, was mich warm hielt. Der Poncho leistete dabei ’nen Superdienst. Ich meine, 2 °C Ende Mai, das kann doch nicht normal sein! Aber es machte trotz allem megaviel Spaß, bei diesem Sauwetter zu laufen. Ehrlich!
Ich ließ die beiden ihres Weges ziehen und genoss die Ruhe im Hintergrund. Bei einer gemeinsamen Kaffeepause trafen wir auf Walter, die Banane. Später liefen wir, auch weil wir uns die Kirchen etc. unterschiedlich lange anschauten, jeder für sich. Harald, hatte ich das Gefühl, wollte unbedingt vor 19:00 Uhr da sein. Das Futter war uns allen ausgegangen, und wir mussten Nachschub besorgen. Und das bei den Ladenöffnungszeiten hier in Frankreich – nicht so einfach. Dann kommst du abends an, hast ’nen Bärenhunger, und alles hat zu. Haben wir ja schon erlebt. Es heißt: Pilger sollen nicht fasten, sondern sich ständig stärken!
Pilger sollen nicht fasten, sondern sich ständig stärken!
Der Turbo
Da ich in Queyrières laut Buch einen Lebensmittelladen aufsuchen wollte und dabei sinnlos durch die ganze gottverlassene Ortschaft gelaufen bin, um festzustellen, dass hier nix zu holen ist, schaltete ich sofort den Turbo ein. Ich musste unbedingt vor 19:00 Uhr in Saint-Julien-Chapteuil sein.
Ich nahm eine Abkürzung, die zwar viel schöner, aber auch schwieriger zu gehen war. Ein wunderschöner Weg bahnte sich vor mir, und die Wolken rissen für einige Zeit auf. Wegen des schlechten Wetters hatte man beim Anblick des Basaltorgelfelsens in Queyrières nicht so ’ne große Freude. Doch herrisch stand er da und zeigte seine außergewöhnliche Gestalt. Auf den letzten 4 km schnallte ich meine Sachen ganz fest und unternahm einige lange Läufe im Eilschritt. Ich Trottel bin gerannt. Okay, bergab, aber war der Hunger wirklich so groß? Ja!!! Und es machte Spaß. ;-)
Jens ging von Queyrières aus die Straße weiter und ich den besagten Weg, und wir trafen uns genau an der Einmündung ins Dorf. Also war die Straße schon um einiges länger. Wieder einmal richtig entschieden. Um hier niemandem auf den Schlips zu treten – er ist ein feiner Kerl –, aber die Harmonie mit Harald beim Gehen war durch Jens gestört. Zipft mi echt an! ;-(
Happy End
Im Endeffekt war Harald schon lange vor uns da, hatte Spaghetti gekauft und auf uns gewartet. Wir beiden besorgten noch Gemüse und Trunk, um den stressigen Tag in Einklang zu besiegeln. Ist uns geglückt. Gefressen wie die Ochsen, gefurzt wie der Teufel und darüber herzlich gelacht.
Happy End today!
PS In dieser Unterkunft war noch ’n Pilger, ein Schweizer namens Frank. Ich hatte ihn so ganz salopp gefragt, ob er die Waffel ist. Er verstand das etwas anders. Nein, er sollte keinen an der Waffel haben. ;-) Wir waren doch auf der Suche nach dem SCHUH mit dem Waffelmuster! Das sagte ich ihm, und die Sache war wieder gut. Mussten echt lachen …