Geschlafen auf Tischen
Super geschlafen, und zwar auf zusammengestellten Tischen. Ich sag immer: Hauptsache trocken. Außerdem habe ich mich sehr ans Schlafen auf meiner Isomatte gewöhnt. Wie ich später erfahren sollte, sind das auch die besten ihrer Art: „Therm-a-Rest“.
Als ich mich vom Tisch abseilte und auf meinen Füßen stand, hatte ich das Gefühl, keinen Meter weitergehen zu können. Dann noch in die Schuhe rein. Was für eine Qual! Und das jeden Tag von Neuem! Aber kaum ist alles gepackt und der Rucksack bedeckt den Rücken, ist alles wieder okay. Ich glaube, die zwei da unten wissen dann wieder genau, worum es eigentlich geht.
Ich glaube, die zwei da unten wissen dann wieder genau, worum es eigentlich geht.
Mit Stirnlampe in den Morgen
Um 4:30 Uhr wimmelte der Bäcker (bimmelte der Wecker :-)). Raus in die letzte Nachtstunde. Mit Stirnlampe machten wir uns auf den Weg. Herrlich aufregend, der aufgehenden Sonne bei ihrem Lichtspiel zuzusehen. Es ging ziemlich zügig voran. Ein Nuts schob ich mir in Erinnerung an Bruno und wegen der morgendlichen Stärkung in den begierigen Schlund.
Walter aus dem Saarland
In Les Sétoux sind wir Walter begegnet, einem Pilger aus dem Saarland mit schon sehr verschlissenen Schuhen. Die Dinger waren echt schon völlig am Ende, mit Nässeschutz war da nix mehr. Das übliche Pilger-Frage-Antwort-Spiel! Wir gingen fast die gesamte Tagesetappe gemeinsam. Er ging schnell, wie von der Tarantel gestochen. Bis heute keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich dachte er, er müsse mit uns Jungspunden mithalten, obwohl wir gar nicht so viel Tempo machten. Mir war’s zu schnell. I woid heid ni hetzen! So war ich immer 100 m hinten dran.
Am Morgen gab’s in Bourg-Argental einen leckeren Café und ein Croissant zum Frühstück. Café am Morgen ist der beste Treibstoff. Unterwegs aßen wir alles auf, was wir hatten, denn am Abend sollte es frische Ware geben. Walter aß eine Zwiebel wie ich den Käse. Zwiebeljack!
Graupel und Ginster
Richtig kalt war es heute, und ein eisiger Wind wollte fortwährend meinen Hut in Besitz nehmen. Unter einem kleinen Kirchenvordach wurde wieder gevespert. Ich nutzte dort die Windstille aus, um meine lange Hose und die Regenjacke über die Softshell zu ziehen. So wurde dem Wetter erfolgreich getrotzt. Es ging bis auf 1.204 m hoch, wobei es oben leicht graupelte. Sehr viel Waldweg heute, aber auch Asphalt.
Ginster wuchs hier wie verrückt. Unglaublich, so habe ich das noch nie gesehen.
Oaspeis in Montfaucon
In Montfaucon-en-Velay bezogen wir eine Gîte d’étape hinter der Kirche Notre-Dame, für 9 € pro Nase. Den Schlüssel dafür gab’s in der Touristeninfo. Bei unserem Einkaufsbummel trafen wir auf zwei junge Schweizer in Zimmermannsklamotten, die in Genf gestartet sind und immer draußen pennen. Zwei lustige Gesellen. Walter haben wir ertappt, als er sich vier Bananen hintereinander reingeschoben hat. Ab da war er bei uns „die Banane“, so wie Silvio „die Sandale“ ist.
Harald kochte uns heute a „Oaspeis“, also eine Eierspeise! Acht Eier, Mais, Käse, Tomate, Zwiebel, Salami, dazu Brot, Baguette, Butter und Bier. Der Koch wäscht gerade ab.
Wie wir uns schon gedacht hatten, kam Jens auch noch. Er schlief sozusagen gratis diese Nacht. Er ist heute Morgen später los und hat einen anderen Weg genommen. Dabei traf er einen österreichischen Pfarrer, der sich gerade auf dem Rückweg befand. Ja, richtig: Der Bursche war schon am Ziel. RESPEKT!
Jetzt gibt’s noch einen Vin Rouge, wohlverdient nach 43 km in 11 Stunden, davon 2,5 Stunden Pause.