Mein Jakobsweg 2006 · Tag 28

Saint-Julien-Chapteuil – Le Puy-en-Velay

📅 Donnerstag, 01.06.2006🎯 Erstes großes Ziel⛰️ Mont Joie🍷 Vin Rouge aus Cahors

Ziel: Le Puy

So, heute ist’s so weit. ZIEL: LE PUY! Noch 17 km, und das erste große Ziel ist erreicht. Wir freuten uns alle ungemein darauf. Es ging morgens um 6:00 Uhr los und ziemlich lange die Straße entlang. Unterwegs nahmen wir eine lange Tasse Café und eine Brioche zu uns. Von Schönheit kann man bei diesem Weg heute nicht sprechen, er gehört eher zu den schlimmsten aller Abschnitte. Umso mehr waren wir beglückt, am „Berg der Freude“, dem Mont Joie, angekommen zu sein, um von ihm einen ersten Blick auf Le Puy zu erhaschen und zu genießen. !!! FREUDE !!!

Der „Berg der Freude“ – der erste Blick auf Le Puy.

Ab jetzt lief es von ganz allein und locker. Unterwegs trafen wir auf einen französischen Pilger, einen Im-Freien-Schläfer. Netter Typ. Jens – er spricht ja Französisch – schloss sich ihm gleich an, und Harald und ich gingen allein weiter.

Am Rande der Stadt angekommen, musste man am Klärwerk vorbei, was einen fast zum Kotzen brachte, so stank es da. Der Stadtgestank war auch unerträglich. Man bekommt so ’ne feine Nase fernab der Großstädte mit ihren Tausenden Autos etc. Das sind immer wieder die Momente, in denen ich am liebsten umkehren und den Feldern und Wiesen folgen möchte. Aber wir waren in Le Puy, also nicht meckern, sondern schauen.

Sightseeing in Le Puy

Schnell war die Auberge de Jeunesse aufgesucht. Den Rucksack dort stehen lassen, um 14:00 Uhr zum Einchecken erscheinen und dann zur Sightseeingtour durch Le Puy. Eine echt schöne und interessante Stadt. Wieder einer dieser Momente, in denen ich meinen großen Fotoapparillo vermisse. Postkarten kaufen, so geht’s auch. Nicht nur die erhabenen Monumente, sondern auch die kleinen, entzückenden Gassen mit ihrem Pflaster, ganz zu schweigen von der unglaublichen Kathedrale, waren ein Augenschmaus.

Bei einem Tropfen Bier habe ich einige Postkarten an meine Freunde daheim geschrieben.

Zufall oder Fügung ist, wenn man unabhängig voneinander in der Stadt umherirrt und sich in einem Supermarkt in derselben Fressabteilung trifft. Mann, mussten wir lachen …

Ein feudaler Abend

Bei Harald gab’s heute Chili con Carne, und bei mir sollten es Linsen aus der Dose werden, die hier ein Leibgericht des Landes sind. War auch wirklich lecker. Proviant für die nächsten Tage hatten wir auch wieder. Um den Tag gebührend zu feiern, gab es eine Flasche Vin Rouge aus Cahors. Dazu rauchte ich meine Fat Lady von Sabrina. Ein feudaler Abend. Die Auberge war auch ganz in Ordnung. Riesenräume mit, glaube ich, 30 Betten, doch das war mir mittlerweile egal. Wichtig ist nur, Ohropax zu besitzen.

Zuvor hatten wir zufällig Charly und Marianne aus Hamburg getroffen, die uns spontan auf a Glaserl Wein einluden. War ’ne schöne Runde. Ein ganz reizendes Pärchen, wir hatten sie schon am Vortag getroffen. Wir plauderten über eine Stunde ganz gemütlich und tranken einen köstlichen Rotwein.

Ich Depp habe doch tatsächlich heute Morgen mein Outdoor-Buch in der Unterkunft in Saint-Julien-Chapteuil liegen lassen. Jetzt kommt’s: Wieder ganz zufällig fahren die beiden morgen schon heim, und es geschah – ich bekam ihr Buch!!! Ich war ja so überglücklich, soooo froh, denn ohne das Buch ist’s nicht eben einfach mit den Unterkünften etc. Es steht nun mal alles drin.

Jens und der Franzose schliefen auch im Großraum, in dem wir schliefen. Um 22:30 Uhr war Nachtruhe, was einige von den jungen Amis nicht ganz einsehen wollten. Ich sag da nur: Ohropax und vorher VIN ROUGE!

PS Ich habe schon viele Weidezäune gesehen, aber mit welchem Einfallsreichtum die Franzosen die Möglichkeiten wirklich zu 100 % ausschöpfen, ist unglaublich.