Der Morgen danach
Ich habe tatsächlich auch geschlafen, ohne ’ne Nacktschnecke zu verschlingen oder vom Fuchs angeknabbert zu werden. In der morgendlichen Frische um 5:30 Uhr pellten wir uns aus den Schlafsäcken. Wunderbar! Rein in die Klamotten, das Zeug zusammengepackt, und ich zog mir die Schuhe an. Und da war er wieder, der Fersenschmerz. SCHEISSE!!! Wann hört das denn mal auf? Wir hatten übrigens durch das Mitnehmenlassen am Vorabend nix gutgemacht. Wir konnten die ganze Strecke schön zurückwandern.
In Les Abrets gab’s dann zwei Schokocroissants und einen leckeren Café. Ein großes Baguette und zwei Snickers habe ich jetzt auch dabei. Noch ein Stück Käse, und der Tag ist gerettet. Es ist schon geil, draußen zu schlafen – wenn man auch einpennen kann!
Wie zwei alte Tanten
Es ging dann gemächlich weiter mit Jens (Wingert), bis wir auf einem Hügel ankamen, von dem aus wir auf das ganze Tal sehen konnten. Es war auch schon Mittag, und der Hunger klopfte an die Magenwand. Wir machten es uns hier oben gemütlich, packten die Sachen zum Trocknen in die Sonne, vesperten, was das Zeug hielt, und quatschten wie zwei alte Tanten. Es gab Vin Rouge zum Essen. Ein Traum.
Wir redeten über Gott und die Welt, ich erzählte von Silvio und Harald und er von denen, die er getroffen hatte. Dank seines Hobbys – Geschichte – ließ ich mir einiges über den kleinen Napoleon erzählen. Es machte Spaß, ihm zuzuhören, auch wenn er manchmal wie ein Lehrer klang.
Zischhh in Le Pin
Irgendwann in Le Pin angekommen, stürmte ich bei dieser Hitze einen kleinen Tante-Emma-Laden und brachte zwei gekühlte Bierchen mit ans Tageslicht. ZISCHHH! Dann noch eins, und auf einmal trat aus dem Nichts – na, wer wohl? – auf die Bühne. Ja, genau richtig: Silvio. Natürlich blieb es nicht bei den zwei Bieren. Noch etwas Käse dazu, und dann ratschten wir ohne Ende.
Beim Aufbrechen hatte mich der Hafer gestochen, sodass ich schnell zu Fuß war und die beiden quatschend hinter mir ließ. Ja, ja, der Alkohol verlieh mir Flügel. Sagen wir es so: Eine gewisse Beflügelung der Einsamkeit überkam mich, und ich merkte, dass ich doch eher allein sein wollte. So ging ich meines Weges und übersah prompt ein Schild. So kam es, dass ich mich verlaufen hatte. Egal. Es muss wohl eine Strafe für meine Fluchtaktion gewesen sein.
Der Alkohol verlieh mir Flügel – und prompt übersah ich ein Schild.
Unterm Sternenhimmel
Eigentlich wollte ich irgendwo an einem gemütlichen Plätzchen auf die beiden warten, aber das wurde nun nix mehr. Ich müsste jetzt hinter den beiden sein. Es war dunkel geworden, und ich packte meine Stirnlampe aus, um nicht noch mal aus der Spur zu laufen. Ohne es zu wissen, strahlte ich eine kleine Kuhherde an und sah nur noch die gespenstisch leuchtenden Augen dieser friedlichen Milchgeber in der Dunkelheit. Beinahe hätte ich mich erschrocken.
So ging ich Richtung Le Grand-Lemps. 3,5 km davor war ich auf der Kuppe des Berges angekommen und fasziniert von diesem prächtigen Sternenhimmel. Kurzerhand beschloss ich, hier meine Isomatte auszurollen und dem Sternenhimmel nahe zu sein. Eingekuschelt im Schlafsack, mit Blick ins weite Universum, verschlang ich noch etwas zu essen und spülte es mit ’nem kräftigen Schluck Rotwein runter. Dank des Schluckes konnte ich heute ausgezeichnet schlafen.
PS Manchmal läuft es anders, als man denkt. Der Weg zeigt einem alle Gesichter und Eigenschaften, ob man sie nun sehen will oder nicht. Das ist der Weg!