Mit leerem Magen los
Schade, wegen Heißwassermangels in der Herberge konnte ich meinen inzwischen gewohnten Morgenkaffee nicht einnehmen. Gegessen hatte ich auch nichts. Also ging es heute mit leerem Magen auf die Piste. In Coto nahm ich dann einen Kaffee zu mir, der ganz und gar nicht lecker war. Man sollte dort nicht gleich den ersten Laden links aufsuchen. Ich traf wieder auf Annett und ging mit ihr gemeinsam bis Melide. Dort war heute richtig was los. Wir gingen zusammen auf eine Tasse Kaffee, okay, sie auf Tee.
Pulpo in Melide
Im Anschluss wartete ich in der Pulpería „Ezequiel“ in Melide auf Johann. Wir hatten uns hier verabredet. Er war so begeistert von diesem Lokal, dass ich es nicht versäumen durfte. Es war wirklich sagenhaft. Bis Johann kam, vergnügte ich mich bei ein, zwei Bierchen damit, der Wirtin beim Zerschneiden der Tintenfische zuzusehen. Mit ’ner Schere, schnipp, schnapp, ging es den in Kupferkesseln gekochten Pulpos an den Kragen. Fein portioniert landeten sie dann auf kleinen Holztellern. Gut gewürzt und mit einem Bierchen dazu wanderten sie später in unsere hungrigen Mäuler.
Schnipp, schnapp ging es den Pulpos an den Kragen.
Wir saßen zusammen mit Henriette, Emanuel und zwei Amis, ’ne witzige Runde. Henriette mochte den Pulpo leider nicht. Oh, sorry: Das hübsche Mädchen aus Ungarn war auch mit dabei. Eine wirklich bezaubernde junge Frau. Ich Trottel habe viel zu wenige Fotos von Menschen gemacht, die mir begegnet sind. Ich TROTTL!!!
Emanuel war der eigenartige Deutsche vom Vortag. Cooler Typ. Er ist beim Trampen in Spanien am Camino hängen geblieben. Henriette hatte schon mit dem Gedanken gespielt, den Bus zu nehmen. Ich hoffe, wir konnten sie davon überzeugen, die paar Kilometer nun auch noch zu Fuß zu gehen.
Mit Johann nach Arzúa
Bis Arzúa ging ich dann gemeinsam mit Johann. Eigentlich wollte ich noch so ’ne leckere, typisch spanische Trinkschokolade (Chocolate a la taza) zu mir nehmen, doch mein Magen war gefüllt vom Pulpo. Aber irgendwann werde ich schon noch in den Genuss kommen. Vielleicht in Santiago. Verbal hatten wir mal wieder die ganze Welt zu unserem Gebiet gemacht. Vor allem ging es heute um Wien, genauer um 1683, als die Türken vor den Toren Wiens standen. Es ist unglaublich, was der Kerl alles weiß.
Da die Herberge in Ribadiso so nett beschrieben war, schauten wir dort noch vorbei. Im Fluss war sehr wenig Wasser, sodass Baden nicht infrage kam. Wir trafen dort auch auf die drei Koreanerinnen und auf Gisela. Wir entschlossen uns jedoch weiterzugehen.
Das Refugio in Arzúa ist sehr schön, nur ohne Küche. Wir gingen auf ein, zwei Bierchen und Zoco mit Eis. Später verschlangen wir ein Pilgermenü für 8 €: Salat, Spaghetti Bolognese, Brot, Wein und Pudding. Klasse! Ich glaube, es war erst mein zweites oder drittes Pilgermenü. Mit den Pilgermenüs konnte ich mich nie so recht anfreunden.
Party in Town
Auf dem Stadtplatz hatten sie einen Musiktruck aufgebaut, und dann ging auch schon die Post ab. Es war Party in Town – eine BIG PARTY, meine ich. Ich war jedoch zu aufgewühlt und schlaff zugleich, um ihr beizuwohnen. Im Trubel der Geselligkeit nahm ich noch zwei Bierchen. Das Gefühl, übermorgen anzukommen, ließ mich nicht los und machte mir schon ein wenig Angst.
Mitten in der Nacht, oder halt um 4 Uhr früh, wurde ich von AC/DC und Bon Jovi geweckt. Das vorletzte Lied auf dem Stadtplatz war „Highway to Hell“, und danach kam als Rausschmeißer Bon Jovi. Ich saß wie ’ne Kerze im Bett und musste lachen. Und das im so streng katholischen Spanien! Bei uns würde man die Stadtväter, die so was genehmigen, eher verfolgen und steinigen.
Ich wollte schon los, aber irgendwie konnte ich mich mit dem Gedanken, jetzt schon loszugehen, nicht anfreunden. Am Nachmittag war es heute sehr heiß, Gott sei Dank war ich heute schmerzfrei. Meine Socken hatten an den Fersen ein riesiges Loch. Sollte die Party in Santiago auch so werden, nehme ich vorher ’ne Mütze Schlaf.
Los geht’s.