Kurz vorm Ziel geht’s richtig zu
Okay, ich habe mich entschieden, nun doch erst am Dienstag in Santiago einzulaufen. Heute war eine schnelle und ungewohnt kurze Etappe. Es waren so ziemlich alle am Rennen, um irgendwie noch ein Bett für diese Nacht zu bekommen. Ja, so kurz vorm Ziel geht’s auf dem Camino richtig zu.
Am Morgen traf ich auf Annett aus England, der ich schon in Burgos begegnet war. Zu meiner Überraschung spricht sie sehr gut Deutsch. Es war schön, so dahinzugehen und gemütlich zu plaudern. Dabei vergeht halt auch die Zeit so schnell. Ich bat sie, mir einige Textstellen von Everlast zu übersetzen. SUPER!
Heute bin ich sehr viel neben der Straße gelaufen und durfte dabei einen sich durch die morgendlichen Nebelschwaden drängenden Sonnenaufgang genießen.
Ein Sonnenaufgang, der sich durch die Nebelschwaden drängt.
Palas de Rei
Ja, nach einer kurzen Cafépause und einem neuen Stempel war ich auch schon da. Da sitzen schon zehn Leute, die darauf warten, dass das Refugio um 13 Uhr seine Pforten öffnet und die Pilger hereinlässt, damit die sich endlich den Schweiß von der Haut duschen können. Auch wenn die Duschen hier nicht völlig geschlossen waren, was einige Damen anprangerten, so war es doch für einen Pilger okay. Nach dem Duschen legte ich mich hin und schlief bis 17 Uhr. Mein Körper nahm sich, was er verlangte und brauchte.
Wach geworden und erst mal ’nen Café zu mir genommen. Heute ist ein ziemlich lustiger, aber seltsamer deutscher Typ aufgetaucht.
Mit einer Flasche Wein und etwas zu essen ließ ich mich auf dem großen Platz vor dem Refugio nieder. Ich hatte großen Hunger, den zu stillen heute nicht einfach war. Als ich gerade so schön dabei war, in meine Wurst zu beißen und meinen Wein zu schlürfen, schickte mir der liebe Herrgott den Johann vorbei. Na so ein Zufall! Ich hatte vermutet, dass er schon einige Kilometer voraus war. Pustekuchen! Es war mal wieder schön, mit ihm zu schwätzen und gemeinsam einen kräftigen Schluck Wein zu trinken. Vino dulce, sehr süß und lecker. Anschließend haben wir noch ein Bierchen mit Gisela aus Österreich und einer netten Dame aus Tucson, Arizona, getrunken. Ein wunderschöner Abend.
Das Refugio war überfüllt, sodass Johann wie viele andere auf seiner Isomatte schlafen musste. Ja, das war ein richtig schöner Tag. Heute hatte ich Mutter am Telefon, und der Kasten schluckte das Doppelte wie normal. Sauerei!
Gute Nacht.