Morgenluft bis Astorga
Um 5:00 Uhr bin ich aufgestanden und 40 Minuten später gestartet. Schön, so die frische Morgenluft einzuatmen. Bis Astorga ging alles ganz fix. Keine Pilger unterwegs, und die Straße, an der ich entlangging, war ruhig. Gegen 9:00 Uhr bin ich in Astorga eingetrudelt. Den Blick vom Crucero de Santo Toribio sollte man ruhig genießen. Ich hatte Glück mit dem Wetter und der Sicht auf die vor mir liegende Stadt Astorga.
Ich streifte durch die Straßen der Stadt auf der Suche nach einem kleinen Café. Dort schrieb ich mein Tagebuch weiter und verschlang in vollen Zügen ein leckeres Teilchen und einen gschmackigen Café. Claudia aus München kam auch des Weges und gesellte sich auf einen Café dazu. Ich ließ mir viel Zeit und Ruhe.
Im Fotoladen musste ich auch noch vorbeischauen, da mein Chip fast voll war. Dann nahm ich mir die Kathedrale vor. Sie hatte viel Ähnlichkeit mit der in León, nur halt um einiges kleiner. Ich weiß gar nicht, in wie vielen großen und kleinen Gotteshäusern ich in den letzten 67 Tagen war. Großartig! Auch gab es in Astorgas Kirche seit Langem mal wieder ein Pilgerbuch.
Ein lohnender Umweg
Bei – oder besser vor – Murias de Rechivaldo gab es zwei Routen. Ich dachte nur nicht mehr dran. Also begab ich mich auf die normale, kurze Route, bis ich auf einmal rechter Hand ein Dorf mit roten Ziegeln sah. Da fiel mir wieder ein, was mir jemand gesagt hatte: Ich solle doch den Weg über dieses kleine Dörfchen nehmen.
Daniel, der Franzose, wunderte sich, dass ich ihm entgegenkam. Ich sagte ihm, dass ich mir da noch ein kleines Schmankerl ansehen will. Ganz glauben konnte oder wollte er mir nicht. Ich ging ein Stück zurück, um dann in einen Feldweg einzubiegen. Erst musste ich noch an einem Bauernhof vorbei, der von einem großen, bösen, kläffenden Köter bewacht wurde. Ja, da ging mir schon a weng die Muffe. Dem Hund aus dem Weg gegangen, kam ich ungebissen im kleinen Dorf Castrillo de los Polvazares an. Ein wirklich lohnender Umweg. Eigentlich nur ca. 700 m – bei mir waren’s einige mehr.
Ungebissen in Castrillo de los Polvazares angekommen.
Seit Tagen mal wieder was fürs Auge. Ich verstehe nicht, dass man da vorbeigeführt wird. Ich genoss den Anblick der schön gepflasterten Straßen und der Häuser mit ihren großen grünen Toren. Unbedingt bei Wikipedia vorbeischauen und nachlesen. Sehr interessant.
Der ausgeschilderte Weg von Castrillo de los Polvazares nach Santa Catalina de Somoza war sehr steinig und anstrengend, da die Hitze brütend heiß in diesem Bergkessel stand.
Nachtrag Heute ist der 2. Oktober 2008. Ich lasse mir viel Zeit beim Abschreiben meines Tagebuchs, und so stehe ich zwei Jahre später, als wäre es gestern gewesen, in diesem kleinen Dorf Castrillo de los Polvazares.
Santa Catalina und Rabanal
In Santa Catalina de Somoza traf ich in einem kleinen Café auf Daniel, den Franzosen. Ich trank mit ihm ein Gläschen kalten Rosé. Unweit des Cafés setzte ich mich nieder und machte eine Stunde Pause. Ich aß was und sammelte neue Kräfte. Ben Hildreth und seine Mädels trudelten auch ein und blieben für diese Nacht in Santa Catalina de Somoza.
Es waren ja nur noch drei Stunden, aber ich war heute etwas schwach auf den Beinen. Meine Sehne macht mir mal wieder zu schaffen. Heute ärgere ich mich, dass ich nicht dortgeblieben bin, um mit Ben und den anderen den Abend zu verbringen. Vielleicht war es mein bescheidenes Englisch, das mich dazu trieb.
Mit der glühenden Sonne im Rücken, einer vorbeugenden Ibuprofen und guter Laune machte ich mich wieder auf den Weg. Rabanal del Camino erreichte ich leicht fertig. Heute frage ich mich oft, warum ich immer diesen Drang hatte, noch weiterzugehen. Mit einem Liter Aquarius im Körper fand ich wieder zu Kräften und machte mich auf die letzten Kilometer.
So, nun waren’s noch 6 km bis Foncebadón. Das Matthäusevangelium hatte ich auch fertig gelesen. Es war, wie schon erwähnt, nicht immer leicht weiterzulesen, da ich mit vielem nicht einverstanden war. Sei’s drum, es war doch höchst interessant.
Foncebadón
In Foncebadón gab es zwei Refugios: ein älteres und eines, das sie aus einer alten Kirche wieder aufgebaut haben. Und genau in diesem fand ich eine Bleibe. Im anderen sah ich Francisco sitzen. Er erkannte mich sogleich, grüßte und lachte. Ach, könnte ich nur Spanisch oder er Englisch!
Im Refugio nahm ich eine entspannende Dusche. Es waren ja wieder mal 42 km heute. Ich muss bescheuert sein …? Heute werde ich nix mehr tun. Die letzten Kilometer hatten es zu sehr in sich. Blähungen setzen mir auch zu. Oh je, mein Nachbar wird diese Nacht seine Freude daran haben … ;-) In der Kirche, die ein Teil des Refugios ist, findet gerade die Abendmesse statt, der ich jedoch mein Abendmahl vorziehe.
In Astorga kaufte ich mir ein Vollkornbaguette, auf das ich mich die ganze Zeit über freute. Gestern habe ich reife Maulbeeren genascht, ein Gedicht. Nur hingen die meisten leider zu hoch.
Servus und gute Nacht.