Feinster französischer Käse
Ich bin lange im Bett liegen geblieben. Meine Füße verströmten den Geruch von feinstem französischem Käse. Hmmm, lecker! Ich hatte mich am Abend nicht geduscht. Astrid saß in aller Seelenruhe da, aß ihr Obst und trank eine lange Tasse Tee. Ich hingegen machte mir einen leckeren Kaffee. Einfach klasse, alles. Auf in Richtung Castrojeriz.
Johann
Einige Kilometer weiter begegnete ich Johann, der aus der Nähe von Wien stammt. Wir gingen gemeinsam weiter bis Población de Campos, wo er noch 10 km dranhängte und ich hier verweilte.
Und jetzt: Harald hatte mir doch von einem Typen berichtet, der ihm Tipps für den Jakobsweg gegeben hatte, als er noch in Österreich unterwegs war. Er hatte Harald wegen der auffälligen Jakobsmuschel am Rucksack sofort erkannt. Und genau dieser Mensch lief jetzt Seite an Seite mit mir auf dem Jakobsweg. Sagenhaft …!
Es war sehr interessant und machte viel Spaß, mit ihm zu laufen. Mann, was der alles wusste! Unglaublich, und in einer alltäglichen Ruhe kramte er Wissensschätze hervor, dass mir nur noch das Staunen blieb. Es lässt mich immer wieder an mir zweifeln, wenn ich zusehen muss, was andere sich alles merken und auch noch so detailgenau wiedergeben können.
Genau dieser Mensch lief jetzt Seite an Seite mit mir.
Frómista
In Frómista genehmigten wir uns ein Cerveza und bestaunten die Figuren und Skulpturen an der Kirche San Martín. Wahrscheinlich irgendwelche Waldgeister, zumindest sehr eigenartige Kreaturen! Es ist eine sehr schöne romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert, sogar eine der ersten romanischen Kirchen Spaniens. Und wieder sehnte ich mich nach meiner Canon. Zefix!
Noch ’nen Kaffee und ab auf die letzten 3,5 km des heutigen Tages. Eine sehr schöne Unterkunft mit großem Garten zum Entspannen und Wäscheaufhängen. Mit Kochgelegenheit. Genial, heute gibt’s was Warmes: Nudeln + Tomaten + Oliven + Bier = Ranzen VOLL! ;-)
Heute Abend gibt’s noch Fußball: Frankreich gegen Portugal. Bin ja gespannt. In der Unterkunft ist eine sehr hübsche junge Dame aus León. Was für ein Anblick, ich bekomme die Augen gar nicht mehr von ihr los. Die Attraktivste, die mir bis jetzt auf dem Camino begegnet ist. Egal, ich verspüre keinerlei Lustgefühle. Seltsam. Wenigstens mal was fürs Auge. :-)
Am Abend war ich in einer kleinen Kneipe Fußball schauen. Herrliche Atmosphäre da drinnen. Schön ein paar Gläschen Rosé genippelt. Es war ein schöner Tag heute. Harald hat am 2. Juli, also vor drei Tagen, hier gepennt. Ich find’s immer lustig, seine Spuren und Einträge zu lesen.
Gedanken …
Heute ging es über die Tierra de Campos! Die kleine Kirche San Nicolás besuchte ich auch. Sehr nett hergerichtet. Hat sicherlich viel Arbeit und Mühe gekostet. Sehr zu empfehlen. Die Herberge in Boadilla del Camino ist sehr schön, mit Garten, Restaurant und Pool. Nobel, nobel, sag ich.
Früher war das hier eine Weinanbaugegend, bis Diktator Franco hier zu Besuch kam und den Wein probierte. Der soll ihm nicht geschmeckt haben, worauf er den Bauern befahl, stattdessen Getreide anzubauen. So verarmte das Gebiet langsam. In der Unterkunft, die dem Bürgermeister gehört, sind noch viele Gegenstände aus der alten Weinproduktion zu sehen.
Wie ich von Johann hörte, gibt es den Udo aus Westfalen nicht mehr. In seiner Unterkunft soll es ja richtig zugegangen sein. Ich könnte jetzt im Bier baden und ertrinken. :-) Oben auf der Hochebene waren die Disteln fast 2 m hoch. Es windete so kräftig, dass es mir des Öfteren beinahe den Hut vom Kopf geweht hätte.
Der Kaffee hier ist immer top, nicht so ’ne Plörre, wie sie uns in Deutschland des Öfteren für 2,90 bis 3,10 € angedreht wird. Das ist hier halt Kultur. Ein australisches Pärchen hat sich leckere Spaghetti gekocht und trinkt dazu einen Vino Tinto mit 11,5 %. Ja, da bräuchte ich schon zwei Flaschen. Grins!