Klösterliches Frühstück
Guten Morgen! Um 7:15 Uhr hat sich der Wecker gemeldet, und kurze Zeit darauf hatten wir uns beim klösterlichen Frühstück eingefunden. Es gab Brot, Marmelade, Käse, Kaffee und Früchte als Stärkung für diesen Tag. Am Abend vorher gab’s Pizza, Suppe und Salat. Alle sieben Sachen auf den Rücken geschnallt, verabschiedeten wir uns von der netten Dame des Klosters und suchten unseren Weg von Einsiedeln nach Brunnen.
Es war kalt, es regnete, und wir schlüpften in unsere Anti-Regen-Reinlass-Klamotten. Dann ging’s am Nonnenkloster Au vorbei, wo die Mädels übernachten wollten, wie sie mir erzählt hatten. Harald war ganz scharf darauf, sie kennenzulernen. Dazu später.
Schnee auf der Haggenegg
Nach Alpthal ging es dann auf den Haggenegg-Pass hinauf. Mann, war das anstrengend! Ich war ziemlich am Schnaufen, zumal ich mit Harald mithalten wollte. Ja, der ist 1,92 m groß und läuft wie ein Uhrwerk, ob hoch oder runter. Er macht immer einen halben Schritt mehr als ich, und mit Schuhgröße 47 bringt er noch einen ausgezeichneten Grip auf den Boden. Mit 6 kg weniger im Rucksack läuft es sich jedoch merklich bequemer, und ich konnte mit ihm mithalten.
Ab 1.200 m begann es zu schneien, als wir den Pass erklommen. Wir mussten bis auf 1.400 m, wo noch eine Menge der weißen Pracht auf uns wartete. Es hieß: schnell gehen und nicht anfrieren.
Haralds Instinkt
Erschöpft oben angekommen, suchten wir uns an einem Schopf etwas Platz zum Ausruhen. Schade, die Tür war geschlossen, und es sah so aus, als müssten wir weiterziehen. Dann trat Harald ins Spiel und öffnete ein Seitenfenster, wo – siehe da – ein Schlüssel hing. Wow, ich war begeistert von diesem Instinkt! Wir traten ein, freuten uns wie die Schneekönige, machten es uns bequem und holten unsere Fressereien heraus. Ich kochte uns einen Tee, der uns die Wärme von innen wiedergeben sollte.
Wir traten ein und freuten uns wie die Schneekönige.
Nur zwei Minuten weiter kamen wir an einem Wirtshaus vorbei – das war jetzt zu spät. Dann ging es nur noch bergab, was bei den Witterungsverhältnissen nicht ganz einfach war. So ein Gewicht auf dem Buckel schiebt schon gewaltig.
In Schwyz mit seinem eindrucksvollen Bergmassiv angekommen, gönnten wir uns wieder ein kleines Päuschen. Eine traumhafte Umgebung. Es ging weiter Richtung Brunnen.
Der teuerste Käsekuchen der Schweiz
Von dort führte uns der Weg weiter nach Treib; dafür mussten wir mit der Fähre den Vierwaldstättersee überqueren. Bevor es so weit war, gingen wir noch eine Kleinigkeit essen. Wir bestellten ein Stück Käsekuchen (ohne Preisangabe). Käsekuchen – geschätzter Wert: max. 3 €!
Jetzt warteten wir schon ewig und befürchteten, dass etwas Eigenartiges passieren müsste. So war’s dann auch: Es war wirklich Käse drin im Käsekuchen, und er kostete 9,50 Franken. Egal, der war so lecker, dass es mich fast vom Hocker gehauen hätte. Um 15:55 Uhr setzte unsere Fähre über.
Wiedersehen am Ufer
Da tauchten plötzlich, wie aus dem Nichts, Elisabeth und eine Freundin von ihr auf. Helena war nicht dabei, denn sie war eine Stunde später losgelaufen. Schade, dass wir zu wenig Zeit hatten, um über das bis jetzt Erlebte zu plaudern. Dann legte schon unsere Fähre ab, und wir hatten nicht mal die Adressen ausgetauscht. Die Mädels, so erfuhren wir noch, wollen den Weg über Luzern nehmen. Wir hofften, sie noch mal zu sehen.
Ein schöner alter Raddampfer brachte uns zum anderen Ufer.
Nach Emmetten
Von Treib aus wollten wir in eine Jugendherberge gehen, die aber, wie sich herausstellte, zu weit weg war. So entschlossen wir uns, bis Emmetten zu gehen, wo es für 17 Franken eine Unterkunft gab. Der Weg von Treib nach Emmetten stellte sich als „überragend schön“ heraus. Man kommt dort auch an einer Feuerstelle vorbei. Viele dieser schwarzen Bergmolche konnten wir sehen und eine großartige Aussicht auf den See genießen.
In Emmetten angekommen, haben wir uns in der Kirche mit einem Gedankenspruch ins Pilgerbuch eingetragen und uns einen Stempel für unseren Pilgerausweis geholt. Im Hotel „Engel“ haben wir jeder zwei Hefe-Bierchen getrunken und einen super Schlafplatz im Bettenlager bekommen. Wir sind ganz allein.
Nach der Körperpflege gab’s ein leckeres heißes Süppchen und Abendbrot, denn die Unterkunft hat eine Kochgelegenheit. Der Schmerz in meiner linken Achillessehne hatte auch aufgehört. Man muss hinzufügen, dass man jeden Tag unter irgendwelchen Schmerzen läuft. Heute dies, morgen das. Ein berauschender Tag, doch nun nix wie in die Falle. Sleep well!
PS Der erste Tag zu zweit. Mit Harald hab ich beim Laufen eine Menge Spaß gehabt. Mal sehen, wie lange uns der Weg gemeinsam führt?