Mein Jakobsweg 2006 · Tag 4

Pfäffikon – Einsiedeln

📅 Montag, 08.05.2006🐚 Jakobsmuschel🏛️ Nacht im Kloster🎒 6 kg leichter

Über den Etzel

Da ich in der Früh ohne große Esserei startete, ging es Schlag auf Schlag über den Etzel (schwerer Anstieg mit schöner Aussicht), bis ich dann bei Egg den Sihlsee sehen konnte. Dort habe ich im Schutze eines Heuschobers eine lange Rast gemacht: Schuhe, Strümpfe, Sohlen und Zelt trocknen. Dann gab’s das lang ersehnte Wasser, das ich mir im Gasthof St. Meinrad besorgt hatte.

Nach dem Sonnenbad ging es voller Elan weiter auf dem Seeweg nach Einsiedeln. Der Gedanke, wo ich mich heute wohl waschen kann, war mein ständiger Begleiter. Ich trug mich schon mit dem Gedanken, unterhalb der Teufelsbrücke in der Sihl ein erfrischendes Bad zu nehmen, aber ich glaube, ich ahnte schon, was kommen sollte.

Ankunft in Einsiedeln

Immer dem Benediktinerweg folgend, kam ich nach Einsiedeln, wo ich gleich zum Kloster lief. Unterwegs sah ich noch die Sprungschanzen. In der Kirche fand ich keinen Mönch, den ich um ein Nachtquartier fragen konnte, und im Pfarramt war auch keiner. Somit nahm ich die Gelegenheit wahr, mir eine Jakobsmuschel zu kaufen. Ich bekam sie geschenkt! Kaufte mir dann doch noch ein Lederband mit gleichförmigem Kreuz, um sie am Rucksack zu befestigen.

Ein Bett im Kloster

Sogleich sah ich einen alten Mann im Priestergewand in Richtung Kloster gehen und fragte ihn, wo man sich wegen einer Bleibe für die Nacht erkundigen kann. Er war sehr freundlich und zeigte mir gleich den Weg. An der Pforte des Klosters wurde ich von einer sehr charmanten Dame empfangen, die mich willkommen hieß und mir mein Bett etc. zeigte. Ein Raum mit sechs Betten, Waschbecken, Kleiderschrank und Tisch.

Ich ließ alles fallen, zahlte gern die 25 Franken und war froh. Auch froh darüber, den Mut gefasst zu haben, im Kloster zu fragen. Darauf hatten mich die beiden Mädels gebracht. Meine erste Nacht in einem Kloster – wie geheimnisvoll! Obwohl ich mit der Kirche nix zu tun habe …! Ein bisschen fremd kam ich mir schon vor. Es war wie im Film, mit den großen, lichtdurchfluteten und doch mystischen Gängen und Türen.

Meine erste Nacht in einem Kloster – wie geheimnisvoll!

Danach ging’s sofort zur Sache: AA machen – duschen – Wäsche waschen – Körperpflege – Sachen auspacken. Gott sei Dank ging es dank des Compeed-Pflasters meiner Blase viel besser, und ich war schmerzfrei.

Sechs Kilo leichter

Danach ging ich zur Post und schickte meine Kamera und die neuen Schuhe heim. 70 Franken. Froh über den Verlust von 6 kg kam ich wieder im Kloster an und hatte in der Zwischenzeit einen netten Zimmerkollegen bekommen: Harald Jagersberger aus Lunz am See in Niederösterreich. Es gab, wie zu erwarten war, sehr viel zu erzählen, zumal er schon daheim losgegangen war und beinahe 600 km hinter sich hatte.

Am Nachmittag hatte ich noch den Mönchen bei der Vesperandacht zugesehen. Ein klassischer vierstimmiger Gesang schwang sich durch die Kirche. Sehr beeindruckend. Auch meinen Rucksack habe ich neu gepackt. Echt witzig. Abendessen, schreiben und ab ins Bett. Die Mädels habe ich heute nicht gesehen.

PS Ein sehr befremdliches Gefühl, im Kloster nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen! Nur Mut.