Auf Abwegen: der GR 651
Was für ein Tag! Er hat schon mit einem gewaltig guten Frühstück begonnen: Nutella, Konfitüre, Butter, Café au Lait, Brot und Saft. Wenn das nix ist! Ich war satt und hatte den Motor des heutigen Tages gut bedient. Nach der Fressorgie von gestern Abend eh ein Wunder, dass ich so viel essen konnte.
Der Mann von der Gîte hat mir empfohlen, nicht den originalen Jakobsweg bis Cahors zu gehen, sondern auf den nördlich verlaufenden GR 651 auszuweichen. Nach den tausend Pilgergrüßen jeden Tag war mir das wirklich eine willkommene Abwechslung. Der Weg führt über Faycelles › Béduer › Corn › Espagnac-Sainte-Eulalie › Saint-Sulpice nach Marcilhac-sur-Célé!
Am Anfang habe ich die beiden Damen getroffen, die mit dem Wohnwagen unterwegs waren, da der Weg ja ein kleines Stück gemeinsam verläuft, und dann nur noch einen Kanadier (Montreal), und das war’s an Pilgern. Der Morgenschiss im Freien muss hier erwähnt werden. ;-)
Keinen getroffen – geil!
Jawohl, den ganzen Tag über keinen getroffen und gesehen. GEIL!!! Nicht immer das ewig wiederkehrende Aneinander-vorbei-Rennen und Grüßen. Nach vier Tabletten haben auch meine Beine mitgemacht. FREUDE! Ich ging so schön vor mich hin. Ein friedlicher Tag.
Faycelles ist ein wunderschöner, kleiner, idyllisch gelegener Ort. Ein unglaublicher Genuss fürs Auge. Altes Steingemäuer mit unendlich vielen Blumen in den Gärten. Ja, ich hätte ab und an an meiner Beschreibung solcher Dinge feilen sollen. Auch vom Weg her war es sehr schön. Als ich am Nachmittag einen Blick zur Sonne warf, konnte ich einen riesigen Regenbogenring (Korona?) sehen. Hatte das noch nie gesehen. A Traum!
Den ganzen Tag über keinen getroffen und gesehen. Geil!
Es ging lange Zeit über geheimnisvolle wilde Wege am Célé entlang. Für jeden Meter, den ich heute gelaufen war, dankte ich meinem Entschluss, es so zu machen. Espagnac-Sainte-Eulalie ist ein kleines, romantisch-verträumtes, liebes Dorf. Lädt zum Verweilen ein. Es gibt hier ein „Saint-Jacques-Museum“, das leider bei meiner Ankunft geschlossen hatte. Hinten war ein frei zugängliches Bettenlager vorhanden. Aber nur für hartgesottene Pilger. Danach ging’s hoch in die Kalkberge.
Hitzeschlacht
Es war eine SCHWEINSHITZE heute. Die Luft stand, und es war kaum zum Aushalten. Aber, ich sag’s noch mal: Welch wunderschöne Wege hoch oben an den Felsen vorbei, mit einer traumhaften Aussicht aufs geschlungene Tal! Ich wurde zunehmend durstiger und verspürte den Wunsch nach einem eiskalten Bier. Da ging’s auch schon in Richtung Saint-Sulpice mit seinen markanten, in den Fels gebauten Häusern hinunter. Dort nahm ich mir dann, was ich mir vorgestellt hatte … ein kühles Bierchen. Dann ging es wieder bergauf zur Hitzeschlacht durch enge Buchsbaumwege. Wahnsinn!
Als ich unterwegs an einem Wohnhaus vorbeikam und nach Wasser fragte, lud man mich spontan auf einen Schoppen Rosé ein. Okay, die Kommunikation war gleich null, aber trotzdem lachten wir und hatten unseren Spaß, zumal mich deren Kinder immer im Visier ihrer Wasserpistolen hatten. Genau das Richtige in diesem Moment.
Mittags hatte ich mir eine kleine Vesper an einem Flüsschen verdient. Meine Füße ließ ich im kalten Nass baumeln und schaute den Libellen beim Fliegen zu. Das kalte Wasser war Balsam für meine Füße.
Marcilhac-sur-Célé
Irgendwann spürte ich dann schon die anstrengend lange Strecke dieses Tages und war froh, mein Tagesziel erreicht zu haben. Nachdem ich mich nicht richtig entscheiden konnte, ob ich mir heute eine Gîte leisten sollte, fragte mich einer der dort Ruhenden, ob ich mich nicht wenigstens duschen wolle. Na ja, für 6 € blieb ich dann die Nacht. Die Gîte liegt direkt an einer Kirche, die heute nur noch eine Ruine ist. Es ist ein seltsames Gefühl, in einer zerstörten Kirche zu stehen. Hatte ich bis dato auch noch nie gesehen. Sehr ergreifend.
Es war ein sehr, sehr schöner Tag heute. In der Gîte durfte ich die Nudeln, die den anderen zu viel waren, mit aufessen. Lecker! Heute habe ich unglaublich viele Walnussbäume gesehen. Die wachsen hier wie Unkraut. Gibt ja auch so viele Moulins zum Ölpressen.
Geduscht, gewaschen, geratscht, geschrieben, und nun: P e n n e n!