Mein Jakobsweg 2006 · Tag 16

Genf – Ruhetag

📅 Samstag, 20.05.2006📦 4 kg nach Hause⛪ Gospelchor in St-Pierre🃏 Kochen und Kartenspiel

Frühstück mit Münchnern

War oft in der Nacht munter und bin um 7:30 Uhr aufgestanden. Schön gefrühstückt bei Kaffee, Joghurt, Müsli, Cornflakes, Butter und Marmelade. Leider kein Käse. ;-( Hatte mich zufällig an einen Tisch mit lauter Münchnern gesetzt. Alles junge Leute vom VDI – Verein Deutscher Ingenieure.

Nach dem ausgiebigen Frühstück habe ich mich meinen Sachen gewidmet und die Laundry für 8 Franken in Anspruch genommen. Geil, alles mal wieder richtig sauber! Zwischen meinem und dem Nachbarbett hatte ich eine Leine gespannt, um die Sachen zu trocknen. Genial. Das Zelt hatte ich auch zum Trocknen aus dem Fenster gehängt, bis es dann jedoch anfing zu regnen.

Großes Aussortieren

Ich hatte meinen ganzen Rucksackinhalt aufs Bett verteilt, um auszusortieren, was ich brauche und was nicht. Dabei habe ich beschlossen, Folgendes auf die Heimreise zu schicken:

  • Foto-Festplatte (30 GB)
  • Lange schwarze Unterhose
  • Mütze
  • Schweiz-Buch
  • Spanisch-Buch
  • Jakobswegkarte
  • Zelt

Alles zusammen 4 kg. Ich musste mich ernsthaft zwingen, mich von meinem Zelt zu trennen. Das waren wieder 45 Franken. Man sollte wirklich nur das NÖTIGSTE mitnehmen. Aber wer weiß beim ersten Mal schon, was das Nötigste ist? Wären nicht die Probleme mit dem Fuß, hätte ich das Zelt weiter mitgeschleppt.

Vielleicht sind’s ja doch die Schuhe. Bei 30 km am Tag – wer weiß! Halte jedenfalls Ausschau nach einem neuen Paar Schuhe. Vielleicht geht’s jetzt mit der Ruhe auch etwas besser. Habe mir vorgenommen, alle zwei Stunden eine halbe Stunde zu pausieren. Kann im Nachhinein schon mal sagen, dass das nicht immer zu machen war. Der innere Schweinehund und das Vorankommen um jeden Preis machten mir da öfters einen Strich durch die Rechnung. Da die meisten Etappen eh nur 6 bis 7 Stunden sind, machen zwei Stunden Pause nix aus. Pustekuchen!

Wer weiß beim ersten Mal schon, was das Nötigste ist?

Hätte nicht gedacht, dass ich so anfällig bin. Circa viermal dieselbe Strecke, und es ist geschafft. Es ist auch besser, wenn man minimal auskommt. Will mir noch einen 1-GB-Stick kaufen und mir dann in Fotogeschäften alles auf CD brennen lassen. Habe für die Schweiz 750 MB gebraucht und bin schon oft an Fotoläden vorbeigekommen. Somit kann ich ruhig auf die Festplatte verzichten. Hoffe nur, dass ich das Zelt kompensieren kann. Habe es aber bis jetzt nur viermal aufgebaut. Das geht schon!

Sitze in der Jugendherberge und schreibe, es ist 13:20 Uhr, und heute ist ein berauschendes Wetter. Heute Abend werde ich mir nochmals ein Abendessen hier gönnen und habe mit 0,5 l Monti vorgesorgt. :-) Schreibe später weiter!!!

Streifzug durch Genf

Weiter geht’s, es ist schon der nächste Tag.

Nach einem verdienten Mittagsschlaf hat es mich dann doch noch rausgetrieben. Bin einfach in Richtung Kathedrale gegangen. Durch die Rue du Marché, wo es nur so von Leuten und Geschäften wimmelt. Will man sich eine geile Uhr kaufen, fährt man am besten in die Schweiz nach Genf. Hier ist ein Uhrenladen neben dem anderen.

Als ich kein Sportgeschäft gefunden hatte, ging ich anschließend zur Kathedrale St-Pierre. Dort kamen mir der Pilot, Sain und noch ein junges Fräulein entgegen. Sie fragten, ob wir in der Jugendherberge nicht zusammen Abendessen kochen sollen. Ich fand’s klasse und machte mich auf den Weg. In der Kathedrale kaufte ich mir eine Postkarte mit dem heiligen Jakobus und bestaunte das Innere. Ich hatte Glück, dass gerade ein gewaltiger Gospelchor sang.

Anschließend begab ich mich in die Grand-Rue. Laut Führer muss man sie mal gesehen haben. Na ja, da scheiden sich mal wieder die Geister. War nicht so aufregend. Wieder unten angekommen – die Kathedrale liegt auf einer Anhöhe –, spazierte und humpelte ich durch die Straßen der Altstadt. Und siehe da: ein INTERSPORT!!!!! In der Rue du Rhône 4, „Aeschbach Sports“ nennt sich dieser Intersport. Leider hatten sie schon geschlossen. Shit, dachte ich mir, morgen ist Sonntag. So ging ich weiter und überlegte, ob ich nicht bis Montag früh bleiben sollte.

Meinem Bein ging’s beim Laufen auch nicht besser. Trotzdem sah ich mir die Basilique Notre-Dame an. Sie steht gleich neben dem Bahnhof. Ich setzte mich hinten in die letzte Reihe und lauschte der auf Französisch gehaltenen Messe mit Gesang und Predigt. Meine Lippen blieben still, und ich genoss den Augenblick. Ich verließ die Messe vorzeitig und machte mich auf den Weg zur Jugendherberge. Unterwegs gab es noch ’n super leckeres Panini mit Käse und Schinken. Hmmmmm!!!

Kochen, Kartentricks und Schummeln

In der Jugendherberge traf ich dann die anderen drei, und wir kochten uns Nudeln mit Bohnen. An die Bohnen kam noch extra Knofi und Zwiebeln und an die Nudeln Tomatensoße mit Kräutern. Der Wein tat sein Übriges. War sehr lecker und vor allem was Warmes. War ’ne super tolle Runde bei Ratsch und Tratsch. Mein Englisch gehört entscheidend verbessert. Wenn die Zungen schneller werden, verliere ich den Faden. Zum Dank übernahm ich den Abwasch.

Vor dem Essen zeigte uns der Pilot noch ’nen superwahnsinnsgeilen Kartenzaubertrick. Ich muss den unbedingt mal daheim ausprobieren, sofern ich ihn bis dahin noch verstehe. Eigentlich ganz simpel, aber doch sehr genial schwer. Bei beiden Mädels hat’s geklappt, nur bei mir, der dagegen gespielt hat, funktionierte es nicht. Mich hat’s jedenfalls fast zerlegt, als zweimal die richtige Karte übrig blieb.

Nach dem Essen haben wir zu dritt gespielt: auf ’ne 2 ’ne 3, dann ’ne 4 usw. Bei uns sagt man „Schummeln“ dazu. Wenn man glaubt, einer schummelt, sagt man „Be As“. Der Abend verlief sehr lustig. Hat Spaß gemacht.

Heute ging es ziemlich spät zu Bett. Alle außer unserem Sunnyboy schliefen schon. Er kam, glaube ich, erst gegen 4 oder 5 Uhr heim. Dieser schwarze Schlingel macht die Nächte unsicher. ;-) Ich freute mich nur noch auf den Schlaf des Gerechten. Gute Nacht, Genf!