Mein Jakobsweg 2006 · Tag 15

Gland – Genf

📅 Freitag, 19.05.2006👋 „Bon voyage!“🦵 Schienbein streikt🛏️ Jugendherberge Genf

Entlang der Straße

Habe beim Pfarrer von Gland wirklich sehr gut geruht, vor allem dank des leckeren Rotweins. ;-) Meine Sachen waren alle wieder trocken, nur hätte ich den Rucksack auch in den Heizungsraum stellen sollen. Dann wären die Träger und der Teil für den Schlafsack auch wieder trocken gewesen, und ich hätte mehr Freude gehabt, ihn mir wieder aufzuschnallen! Ich DEPP!

Jedenfalls ging es um 6:30 Uhr ab in die Prärie in Richtung Genève. Zuerst bis Nyon, dann über Coppet nach Genf. Ich hatte mich aus Neugier und Ankommenwollen kurz entschlossen, nicht den normalen Weg zu nehmen, sondern an der Straße entlangzulaufen. So ging es ziemlich schnell voran.

Heute ganz allein zu gehen, war schon etwas ungewohnt, aber auch sehr angenehm. Ich traf unterwegs einen Fahrradpilger, der auch in Rorschach gestartet ist. Er schafft am Tag so um die 120 bis 130 km. Gestern bei dem Regen ging’s ihm jedoch auch sauber rein. Sein Name war Rudi.

Poncho-Sehnsucht

Ach, hätte ich doch nur einen Regenponcho! Egal, ob dieser Stoff oder jener, atmungsaktiv oder nicht. Hauptsache, man wird nicht nass, und der Rucksack bleibt trocken. Das kleine Rucksackkondom hilft bei Dauerregen auch nicht viel. Zumindest unten und an den Seiten sowie an den Trägern erwischt es einen. Sollte es wieder einmal so schütten, mache ich den ganzen Tag Pause. Egal! Mit der Regenjacke von Intersport für 50 € habe ich ’nen Witz erstanden. Gut gegen die Kälte, aber gegen viel Regen hilft die nix.

„Le pèlerin!“

Als ich so vor mich hin wanderte und die Füße wieder Faxen machten, hupte es plötzlich laut neben mir, und jemand grüßte mich. Ich glaube, insgesamt viermal gingen die Autoscheiben runter, und ein freundliches, begeistertes „BON VOYAGE!“ erklang in meinen Ohren. Das gibt einem ’nen mächtigen Ruck, Freude und Kraft. Viele winkten mir zu und teilten die Freude über diesen Weg. Ein Motorradfahrer ohne Helm sah mich erst an, und dann rief er ganz laut: „LE PÈLERIN!“ Da schwebt man fast vor lauter Freude über die Begeisterung.

„Le pèlerin!“ – da schwebt man fast vor lauter Freude.

Zunächst gab ich echt Vollgas, damit ich nach Genf komme, wurde dann aber von einem ziemlich dollen Schmerz am rechten Schienbein geplagt und gebremst. Habe dann noch ’ne Pilgergruppe (erkannt an der Muschel) von neun Personen und einem Hund getroffen. Sind alle in Konstanz los und gehen bis Genf. Sie teilen sich den Weg in Etappen auf (mit Turnschuhen und kleinem Rucksack).

Wenn ich an meine Fußprobleme denke, kommen in mir immer wieder Zweifel hoch, ob ich es denn auch schaffen werde. Ganz wichtig wird die Gewichtsreduzierung meiner Ausrüstung.

Ankunft in Genf

So ca. 10 km vor Genf machte ich ’ne kleine vergnügte Futtipause. Das tat auch gut. War fünf Stunden durchgelaufen, von Gland bis hinter Coppet. Um 13:30 Uhr betrat ich dann GENF und ließ es die letzten 2 km sehr ruhig angehen. Ein Päuschen da, ein Blick dort, ein Foto hier, und schon stand ich vor der Touristeninformation von Genf. Habe gefragt, wo die Jugendherberge ist, sie auch gleich gefunden und zwei Nächte gebucht. 66 Franken, das ist, glaube ich, okay.

Hatte jetzt echte Probleme beim Gehen im rechten Bein. Trotzdem hinkte ich durch die Stadt, um nach einem Regenponcho zu suchen. Ein Outdoor-Store oder was Ähnliches – nix. Auch Fragen brachte mich nicht weiter. Gab’s denn hier keinen Sportartikelladen oder einen Intersport? NIX!!! Auch im Internet wurde ich nicht fündig. ;-(

Döner-Drama und Abendrunde

Auf dem Rückweg habe ich mir ein kühles Blondes gegönnt und einen Döner mit Huhn. So ein Drecksding! Diese Drecksau hat mir 300 g pure Scheiße verkauft, und das für 9 Franken. Dem A… hätte ich am liebsten seinen Laden abgefackelt. Aber watt will man machen? Für 12,50 Franken gab’s dann noch ein Abendmenü in der Jugendherberge, um meinen Kohldampf zu besänftigen: Hähnchen mit Kartoffelgratin, Gemüse und Salat. Für eine Jugendherberge echt lecker.

Dazu gesellte sich noch eine junge Dame namens Sain. Sie kommt aus Australien, war gerade in Barcelona und studiert die nächsten vier Monate in Kanada. Cool. Na ja, mit dem Englisch geht’s gar nicht so schlecht! Dann gesellte sich noch ein weißer Südafrikaner zu uns. Er war Pilot bei der Navy und war in Bagdad. Ein irrer Typ. Nur leider sprach er einen Slang, bei dem ich nicht immer mitkam. So wie wenn ich ins Sächsische verfalle.

Bin dann aufs Zimmer gegangen. Sechs Betten, fünf Leute. Meine zwei kleinen Freunde (Ohropax) gaben mir die Sicherheit, eine ruhige Nacht verbringen zu können. In diesem Sinne … Gute Nacht!

PS Nicht so schnell auf Asphalt gehen!!!! Eine Sehnenscheidenentzündung im Schienbeinbereich ist eine schmerzliche und qualvolle Erfahrung, die lange andauert.