Das Packerl
Heute Morgen hatte ich mir viel Zeit gelassen, da ich eh noch zur Post musste, um 1,5 kg nach Hause zu schicken. Bei Janinna in der Gîte gab es noch ein ausgiebiges Frühstück. Sie ist die Seele dieser Gîte, eine liebenswerte ältere Dame. Nur leider verstand ich nix von dem, was sie sagte. Aber in ihren Augen sah ich ihre Warmherzigkeit.
Es war mit einigen Problemen behaftet: Erst hatte man dort kein Klebeband, und dann musste ich auch noch 16,50 € berappen. Zum Vergleich: In Cahors waren es 7 €. Ich kaufte für Hans, den Holländer, und mich Klebeband, um endlich das Packerl loszuwerden.
Bergauf, bergauf, bergauf
Um 10:30 Uhr ging’s in aller Ruhe los Richtung Roncesvalles. Für die Pilger, die hier ihre ersten Kilometer hinlegen müssen, ist der Anstieg schon ziemlich hart, und das gleich am ersten Tag. In einer Auberge nach ca. 5 km traf ich Volker aus Germering. Es war recht gemütlich da drinnen, und so bestellte ich mir zur Feier des Tages eine Viertel-Ente. Soll hier ’ne Spezialität sein. Aber Daumen runter, das war NIX. ’Ne große Enttäuschung, schade um die Kohle, denn günstig war der Vogel auch nicht. Die müssten mal bei uns in der Wurzhütte ’ne leckere Ente verspeisen. ;-)
Nach einer Stunde Pause ging’s weiter bergauf und bergauf und bergauf bis auf 1.400 m. Von den Bergen war wegen dichten Nebels nix zu sehen außer Schafen und Pferden. Hier hätte Hape auch mal lieber laufen sollen. Es hatte trotzdem seinen Reiz.
Hier hätte Hape auch mal lieber laufen sollen.
Dann begegnete ich wieder Hans und Sebastian. Mit Hans lief ich bis Roncesvalles. Wir hatten die ganze Zeit ein super Gespräch (englisch-deutsche Konversation). Danke ihm noch mal! Wir trafen auf zwei Schweizer Burschen (Stephan und Basil), die uns beide für ein kurzes Interview haben wollten, da sie gerade dabei waren, einen Film über den Camino zu drehen. Als Hans dran war, erfuhr ich einige sehr bewegende Erlebnisse, die er auf dem Camino hatte.
Dann ging es von 1.400 m auf 900 m runter. Aber das sind wir ja schon gewohnt. In Frankreich war das immer ein Indikator für kommende Schmerzen. Der Weg war rutschig, und man musste schon ziemlich aufpassen. Es war faszinierend, den Wald dort oben eingehüllt in Nebel zu durchwandern.
Roncesvalles
In Roncesvalles angekommen, ging es gleich ins Kloster, um einen Schlafplatz und einen Stempel zu ergattern. Und tatsächlich war die Bude fast voll. 200 Betten sind dort aufgestellt. Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre, wozu auch vier holländische „Caminoeros“ ihr Gutes beitrugen. Sie sind für 14 Tage hier, um sich um die Pilger zu kümmern. Find ich ganz klasse. Die Unterkunft kostete 5 €, und das Abendessen hätte mit 8 € zu Buche geschlagen. Ich aß lieber die paar Sachen, die ich noch in meinem Rucksack hatte. Der Fromage, den ich in Saint-Jean-Pied-de-Port gekauft hatte, war ’ne Wucht.
Von der Bank hatte ich erfahren, dass der Brief mit den Bankdaten an die richtige Adresse gesendet worden ist. Ich musste heute Abend noch mal versuchen, Vaterle zu erreichen. Margot hatte ich heute Morgen angerufen, um herauszufinden, was mit meiner Post geschehen ist. Meine Pakete, die ich von der Schweiz aus geschickt hatte, lagen alle beim Zollamt in München. Ja, logisch, die Schweiz ist ja auch nicht in der EU.
Bruno der Bär
Und jetzt kommt’s: „Bruno der Bär“ ist am Spitzingsee erlegt worden. Ausgerechnet am Spitzingsee, und ich bin nicht da! Bin gespannt, wer den Schuss gesetzt hat – doch nicht unser Oberförster? ;-) Bin gespannt, was da rauskommt. Alle heulen jetzt wegen des doch so lieben Bären. Die ham ’ne Vollmeise! Was wäre gewesen, wenn er Menschen angegriffen hätte? Gerade am Spitzingsee mit den vielen Wanderern, Familien mit Kindern etc.
Na ja, ich fühle mich hier recht wohl, da alles da ist, was man braucht, es sauber ist und die Leute gut drauf sind. Ich freue mich riesig auf Spanien. Jetzt lege ich mir meine Sachen für morgen früh genauestens zurecht, damit ich in drei Minuten fertig bin und aufbrechen kann, ohne den anderen 199 Pilgern im Weg zu stehen. ;-)
AUF GEHT’S!!!