Kein Buch für Frankreich
Am Morgen haben wir noch ein super leckeres Frühstück in der Jugendherberge zu uns genommen, das uns die Kraft für den Tag geben sollte. Ich habe mir Ledereinlegesohlen und Batterien gekauft, nur das Outdoor-Buch für Frankreich habe ich nicht bekommen. SHIT!!!
Heute war keine besonders anstrengende Etappe, aber teilweise eine sehr schöne. Es ging durch Tunnelwege, Wald und Wiesen.
Romont
Harald hatte ich irgendwann ziehen lassen – meine Füße schmerzten. Da muss man halt mal etwas langsamer machen. Sorgen machen die mir schon. Romont liegt wunderschön auf einer Anhöhe mit Turm und Kirche. Ein romantischer Weg, den man schon von Weitem sehen konnte, führte hoch in die Stadt. Ich stellte mir vor, wie hier früher die Ritter hoch zu Ross heraufritten.
Wie ich so der langen Straße in die Stadt folgte, immer mit der Vorstellung von einem köstlichen Abendschmaus, sah ich vor der Kirche Harald sitzen. Neben ihm ein anderer Pilger. Kurze Begrüßung und ab zum Futti-Kaufen. Ich hatte uns dreien noch ein Bier mitgenommen. Der Tag und die Bekanntschaft mussten doch begossen werden.
Silvio
Der Dritte im Bunde ist Silvio aus Rorschach am Bodensee. Er geht auch den ganzen Weg von daheim aus, ist 50 Jahre jung und macht die ganze Sache ohne GELD. NAJA!!! Sein Rucksack wiegt nur 10 kg!? Im Moment noch völlig unklar, aber ich sollte ihn noch näher kennenlernen.
Wie wir so dasitzen und uns unterhalten, auch darüber, wo wir am besten die Nacht verbringen, spricht er in perfektem Französisch eine Dame wegen unserer Quartiersuche an. Wir beide waren BAFFFF! Zu guter Letzt hat es sich so ergeben, dass wir drei in einem Luftschutzbunker für jeweils 6 Franken übernachten konnten. Welch ein Halleluja! Alles mit Dusche/WC/Bett. A Traum. Wir haben uns dann draußen im Freien zusammengesetzt und zu Abend gespeist.
Welch ein Halleluja!
Der Kocher hat ausgedient
Die 6 Franken für Silvio haben wir übernommen. An diesem Abend kam mein Kocher zum letzten Mal zum Einsatz, mit dem ich uns noch mal ein lecker Süppchen kochte. Anschließend, gepackt von Silvios Minimalgewicht, habe ich alles rausgepackt, von dem ich dachte, dass ich es nicht brauche, um es morgen zur Post zu bringen.
Aus der einen Dusche kam nur heißes, aus der anderen nur kaltes Wasser, sodass man immer zwischen zwei Duschen hin und her hüpfen musste. Mit dem Französischen ist’s schon ’ne echte Umstellung. Die Kommunikation bricht zunehmend zusammen.
PS Silvio ist ’n echtes Brain und ’n dufter Typ. Er hat die Ausstrahlung von Jesus. Eine Art, wie man sie nur ganz selten bei Menschen findet. Man hängt ihnen förmlich an den Lippen. Die ziehen einen richtig in den Bann. Er spricht perfektes Hochdeutsch und, wie sich später noch herausstellen sollte, ein nicht zu verstehendes Schwiizerdütsch!